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Nach der Trennung von seinem Bruder Walter wird im Januar 1928 die
Cottage-Villa in der Hasenauerstrasse 16 komplett auf Marcell
übertragen. Am gleichen Ort betreibt Marcell am Anfang seiner
Selbständigkeit als Alleininhaber die "Vereinigten Ateliers für Kunst
und Keramik", in denen er mit 15 Mitarbeitern Fayencen,
Porzellan-Figuren, Vasen und Leuchter herstellt. Zusätzlich meldet er
den "Handel mit Porzellan- und Steingutwaren, Figuren und
einschlägigen Artikeln" als Gewerbe an.
Marcell setzt in seinem eigenen Unternehmen die Idee eines
ganzheitlich involvierten Künstlers durch. Er ist in dieser
Einstellung stark von seinem Bruder Arthur Goldscheider geprägt, der
in Paris bereits 1925 die gleichen Ideen propagierte.
Selbstverständlich zeigt sich hier auch der Einfluss der Wiener
Werkstätte, die Originale produzieren ließ und deren Künstler auch für
Marcell Modelle entwerfen.
Die von Marcell für den Österreichischen Werkbund (Ö.W.B.) erstellten
Keramiken werden sehr wohlwollend aufgenommen, in der "Schaulade"
steht 1929 diesbezüglich: "In diesen Arbeiten prägt sich das Wesen des
Wienerischen in seiner besten Art charakteristisch aus. Die
figürlichen Darstellungen sind von einer stillen, besinnlichen, fast
traumhaften Art, und doch behält die Formgebung das lockere Spiel mit
der Form, mit dem Formalen." Auch das Farbspiel wird gelobt: "Die
Glasuren gleiten über den oft mit Absicht etwas unebenen Scherben in
sehr freien, mitunter kühnen farbigen Bahnen." Zu den beschriebenen
Objekten zählen nicht nur der "Schalenträger" und die Figuren
"Innehaltende" und "Niederblickende", es betrifft auch Lampenfüße,
Vasen und Schalen, die von Marcell produziert werden.
Doch bereits im Jahr 1931 hat Marcell finanzielle Probleme. Seine
unternehmerische Neugründung fällt in die Zeit der
Weltwirtschaftskrise und im Gegensatz zu seinem Bruder will er nicht
den Massenmarkt bedienen.
Um 1937 verringert sich die Anzahl der bei Marcell tätigen Arbeiter
auf nur noch zehn Personen. Mit der Annektierung Österreichs wird auch
Marcell Goldscheiders Arbeit immens erschwert. Im August 1939 wird
sein Gewerbeschein zurückgenommen, bevor er einen Monat später
offiziell erlischt. Zu dieser Zeit verlassen Marcell und Rosemarie
Goldscheider Wien.
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