Copyright Filipp Goldscheider.
Alle Rechte vorbehalten.
Für Zitate oder Veröffentlichungen kontaktieren Sie buch@goldscheider.de
Auch auf der legendären Pariser Kunstgewerbeausstellung "L’Exposition
Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes" im Jahr
1925 ist die Wiener Manufaktur vertreten, unter anderem mit der
Fayencegruppe "Kahnfahrt" von Hertha Bucher, Lampenfüßen, Vasen und
Leuchtern von Dina Kuhn, exotisch anmutenden Figuren in bemaltem roten
Ton nach Entwürfen von Spuller, Studienköpfen in Terrakotta von Grete
Neuwalder, Tierplastiken von Karin Jarl und schwarz glasierten
Amorettengruppen von Herlinger-Schwarz. Aber auch eine liegende
weibliche Figur aus Marmor von Ena Rottenberg und ein vom Architekten
Josef Berger entworfener Kamin werden von Goldscheider präsentiert.
Dina Kuhn’s Modelle aus roter und bunter Majolika werden auch auf
der Leipziger Messe ausgestellt, wo ansonsten Willy Bormann’s "Englischer Greyhound" aufgrund seiner Geschmeidigkeit und Eleganz, Lorenzl’s farbenfrohe
"Aida" aber vor allem die von Karl Perl
entworfene Gruppe "Die sieben Schwaben" wegen ihrer Komposition und
Komik, als besonders gelungen auffallen. Diese Figur wird von Prof.
Konrad Meyer auch als entscheidender Beweis für die damalige Debatte
zur Vorrangigkeit des künstlerischen Schaffens vor dem materiellen
Wert eines Arbeitsstoffes genannt, mit dem Resultat, dass man Fayence
und Porzellan als "gleichwertig für künstlerische
Bearbeitungsmöglichkeiten ansehen" sollte. Während Porzellan
transparenter und dezenter wirkt, hat Fayence aufgrund der niedrigeren
Brenntemperatur den Vorteil, dass sie lebendigere, kräftigere Farbtöne
aufnehmen kann, und deshalb beide "ihren Platz" in einem Heim
nebeneinander beanspruchen können.
Die kühl-elegante Linienführung der "Neuen Sachlichkeit", später des
Art Déco, bestimmt die Stilrichtung; eine Vielzahl an eingesetzten
Materialien kennzeichnet die Produktion. Die Wiener Manufaktur
verkauft Kunstgegenstände in Fayence, Marmor, Bronze und Terrakotta,
aber auch Kaminverkleidungen und Objekte aus Kunststein gehören zum
Sortiment. Passend zu den nun extrem schlanken Proportionen, werden
die Figuren auch in kleineren Größen produziert.
Zwischen den Brüdern kommt es jedoch verstärkt zu Auseinandersetzungen
über die Ausrichtung des Unternehmens. Während Marcell, der eine
kunstkeramische Ausbildung genoss, den Künstler viel stärker in den
Produktionsprozess einbeziehen will und mit expressiverer Keramik
nicht einfach nur dem Marktgeschmack folgen will, steht für Walter,
der eine kaufmännische Ausbildung absolvierte, der wirtschaftliche
Erfolg im Vordergrund. Und dieser ist nur durch eine Befriedigung des
Konsumentengeschmacks und einer seriellen Reproduzierbarkeit der
Modelle möglich. Da es zwischen den Brüdern zu keinem Kompromiss
kommt, beschließt man sich zu trennen.
Eine der glanzvollsten Zeiten der Wiener Manufaktur Friedrich
Goldscheider, die in diesen wenigen Jahren einige der Meisterstücke
der Art Déco Keramik hervorgebracht hat, geht zu Ende.
>> Weiter zu 30er Jahre unter Walter Goldscheider ...